The Beauty of What Has Been Used
In the 14th century, the Japanese monk Yoshida Kenkō wrote Essays in Idleness, a collection of reflections on beauty, time, and the nature of life. Among his most enduring ideas was a quiet but radical belief: things become more beautiful as they age.
Kenkō preferred objects marked by wear - faded fabrics, softened edges, surfaces shaped by touch. To him, perfection was fleeting and uninteresting. What mattered was change. A cup with a hairline crack, a garment worn thin at the elbows, or wood darkened by years of use carried a depth that brand-new things simply could not. These signs of age were not flaws; they were evidence of life.
This philosophy became foundational to Japanese aesthetics such as wabi-sabi and mono no aware: the appreciation of impermanence, imperfection, and the quiet sadness and beauty of things passing. Objects, like people, exist in time. They change, they soften, they gather history.
That idea feels especially relevant today.
In a world which relentlessly celebrates the new, the glossy, and the seemingly perfect, Kenkō’s perspective invites us to slow down and look again. He contrasted simple, aged objects with flashy displays of wealth, which he saw as lacking substance. What was truly refined, in his eyes, was not novelty, but continuity - things which had been used, cared for, and allowed to grow old.
This is the same philosophy that subconsciously draws me to vintage items.
When you choose something secondhand, you’re not just buying an object: you’re inheriting a story. A jacket has already kept someone warm. A table has hosted conversations, meals, and quiet moments. A bag has traveled through different lives before arriving in your hands. The wear isn’t damage; it’s memory.
Reusing an item honors the time already invested in it. Instead of discarding something because it isn’t perfect, we recognize its value precisely because it has changed.
Like Kenkō’s beloved objects, vintage pieces remind us that beauty doesn’t come from being untouched. It comes from being lived with.
There’s also a nice sustainability to this way of thinking. It’s an acknowledgment that things, like people, deserve to age with dignity.
At its heart, this is what my vintage shop is about. Not nostalgia for its own sake, but respect - for materials, for craftsmanship, and for the lives that came before. Every mark, fade, or irregularity is part of what makes each piece unique.
Kenkō believed that impermanence is not something to fear, but something to appreciate.
When we surround ourselves with objects that show their age, we’re reminded of that truth. We’re reminded that change is natural, that stories accumulate, and that beauty deepens with time.
Sometimes, the most meaningful things are the ones that have already been loved.
Im 14. Jahrhundert schrieb der japanische Mönch Yoshida Kenkō Essays in Idleness, eine Sammlung von Gedanken über Schönheit, Zeit und das Leben. Eine seiner zentralen Ideen war dabei überraschend einfach: Dinge werden mit der Zeit schöner.
Kenkō mochte Objekte, denen man ihre Nutzung ansah – ausgebleichte Stoffe, abgerundete Kanten, Oberflächen, die sich durch Berührung verändert haben. Perfektion fand er kurzlebig und ehrlich gesagt langweilig. Entscheidend war für ihn Veränderung. Eine Tasse mit einem feinen Riss, ein Pullover mit dünn gewordenen Ellbogen oder Holz, das über Jahre nachgedunkelt ist, hatten für ihn mehr Tiefe als etwas komplett Neues. Diese Spuren waren keine Mängel, sondern Zeichen von Leben.
Diese Haltung prägt bis heute japanische Ästhetiken wie Wabi-Sabi und Mono no aware: die Wertschätzung von Vergänglichkeit, Unvollkommenheit und der leisen Schönheit des Vorübergehens. Dinge existieren – genau wie Menschen – in der Zeit. Sie verändern sich, werden weicher und sammeln Geschichte.
Gerade heute fühlt sich dieser Gedanke sehr aktuell an.
In einer Welt, die ständig Neues, Glänzendes und scheinbar Perfektes feiert, lädt Kenkōs Sichtweise dazu ein, kurz innezuhalten und genauer hinzuschauen. Er stellte schlichte, gealterte Dinge dem protzigen Reichtum gegenüber, den er als oberflächlich empfand. Für ihn lag wahre Qualität nicht im Neuen, sondern im Beständigen – in Dingen, die benutzt, gepflegt und alt werden durften.
Genau diese Haltung zieht mich auch zu Vintage-Stücken hin.
Wenn man sich für etwas Secondhand entscheidet, kauft man nicht nur einen Gegenstand, sondern übernimmt auch ein Stück Geschichte. Eine Jacke hat schon jemanden warm gehalten. Ein Tisch war Teil von Gesprächen, Essen und stillen Momenten. Eine Tasche hat verschiedene Leben begleitet, bevor sie bei dir angekommen ist. Die Gebrauchsspuren sind kein Schaden – sie sind Erinnerung.
Etwas wiederzuverwenden heißt, die Zeit zu respektieren, die bereits darin steckt. Anstatt etwas wegzuwerfen, weil es nicht perfekt ist, schätzen wir es gerade wegen seiner Veränderung.
Wie bei Kenkōs geliebten Objekten zeigen uns Vintage-Stücke, dass Schönheit nicht daraus entsteht, unberührt zu sein, sondern daraus, benutzt zu werden.
Ganz nebenbei steckt in dieser Denkweise auch etwas sehr Nachhaltiges. Sie erkennt an, dass Dinge – genau wie Menschen – würdevoll altern dürfen.
Im Kern geht es in meinem Vintage-Shop genau darum. Nicht um Nostalgie um ihrer selbst willen, sondern um Respekt: für Materialien, für Handwerk und für die Leben, die diesen Dingen vorausgegangen sind. Jede Spur, jede Verfärbung und jede kleine Unregelmäßigkeit macht ein Teil einzigartig.
Kenkō war überzeugt, dass Vergänglichkeit nichts ist, wovor man Angst haben muss, sondern etwas, das man wertschätzen kann.
Wenn wir uns mit Dingen umgeben, die ihr Alter zeigen, erinnert uns das daran. Daran, dass Veränderung normal ist, dass sich Geschichten ansammeln – und dass Schönheit mit der Zeit oft erst richtig entsteht.
Manchmal sind die bedeutungsvollsten Dinge genau die, die schon einmal geliebt wurden.